Mutter der heiligen Hoffnung

Montag, 9. Juli 2012 von Pater Gabriel

mutter der heiligen HoffnungSchon in den Anfängen der Kongregation vom Leiden Jesu entwickelte sich die Verehrung der seligen Jungfrau Maria unter dem Titel „Mutter der heiligen Hoffnung“. Diese Verehrung wurde besonders gefördert durch P. Thomas Struzzieri, der bei Volksmissionen ein Bild der „Mutter der heiligen Hoffnung“ (Bild links) mit sich trug. Ein solches Bild schmückt traditionsgemäß unsere Klosterzellen. Die selige Jungfrau Maria ist ein leuchtendes Beispiel heiliger Hoffnung und unser bleibender Schutz.

Der selige Dominkus Barberi schreibt folgendes: „Unter den verschiedenen Titel, die Maria mit Recht zukommen, gibt es auch den der „Mutter der heiligen Hoffnung“. Die Hoffnung ist jene Tugend, die wie ein Anker das Schiff unserer Seele auf dem stürmischen Meer dieser unglücklichen Welt festhält; sie ist der Trost, der uns nach dem Sturz geblieben ist; sie ist die Ermutigung, die uns in unserer Niedergeschlagenheit aufrecht erhält und die uns Mut gibt in der Übung der christlichen Tugenden. Die Hoffnung wird von den Theologen als eine von Gott eingegossene Tugend definiert, durch die wir von Gott mit festem Vertrauen das ewige Leben sowie die Mittel erwarten, die dazu führen. Maria als die Mutter der Hoffnung besaß diese Tugend gewiss in heroischem Grad und in ihrem ganzen Umfang. Anstatt ihr Vertrauen auf Menschen dieser Welt zu setzen, wie es leider bei den Menschen geschieht, setzte sie es auf niemand anderen als auf Gott allein. Sie erwartete und erstrebte nichts anderes als das ewige Leben und das, was dorthin führt.

Diese Welt mit allem, was in ihr bewundert wird oder was gewöhnlich das Verlangen der betrogenen Adamskinder darstellt, war für sie, als ob es nicht da wäre. Die Erde war eine Wüste für Maria; und selbst die Engel waren gleichsam überrascht, wie sehr sie in ihrem Herzen von allem Geschaffenen frei war, und schienen zu sagen: „Wer ist sie, die aus der Steppe heraufsteigt, voller Freude, auf ihren Geliebten gestützt?“ (Hld 8,5).

Obwohl Maria voll hoher Gnaden und frei von jeder Schuld war, setzte sie ihr Vertrauen doch nicht auf sich selbst oder auf ihre eigenen Kräfte, sondern allein auf Gott, denn sie wusste, dass von ihm alles Gute und jede vollkommene Gabe stammt. Auf Gott setzte sie ihr Vertrauen inmitten der Gefahren und Verfolgungen, als sie gezwungen war, sogar aus ihrem Heimatland zu fliehen. Auf Gott hoffte sie auch, als ihr göttlicher Sohn starb und die Apostel sich zerstreuten. Auf Gott hoffte sie ebenso in den Verfolgungen, die sich gegen die junge Kirche, die zärtlich geliebte Braut ihres göttlichen Sohnes, erhoben. Durch dieses Vertrauen gestärkt, blieb sie in allen, auch den schlimmsten Wechselfällen standhaft und war sogar anderen, die in ihrer Betrübnis Zuflucht zu ihr nahmen, behilflich wie eine Mutter. Sie gab den Schwachen Zuversicht, reichte gütig den Gefallenen ihre Hand und ermunterte die Starken, immer mehr Vertrauen zu haben.

Wir dürfen auch nicht glauben, dass sie es heute vergessen hätte, ein solches Amt ihrer mütterlichen Güte auszuüben. Nein, sicher nicht. Auch in unserer Zeit reicht sie von ihrem hohen Thron aus ihre mütterliche Hand, um den Gestrauchelten aufzuhelfen; sie öffnet ihr Herz, um ihnen Vertrauen zu schenken; sie geht ihnen entgegen und ermuntert sie, wieder aufzustehen; „freundlich erscheint sie ihnen auf allen Wegen und kommt jenen entgegen, die an sie denken“ (Weish 6,16); sie macht den Guten Mut; sie macht sie unerschrocken inmitten der menschlichen Wechselfälle, damit sie nicht unterliegen; sie beseelt die Hirten und belebt die Herde Christi. Mit einem Wort: sie zeigt sich allen immer als ein Licht der Hoffnung, als die Mutter der Hoffnung.“

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