Fest Kreuzerhöhung – O Crux ave, spes unica!
Mittwoch, 14. September 2011 von
Pater Stefan
Diese alte Weisheit steht über dem Gekreuzigten in unserem Kloster Schwarzenfeld / Oberpfalz im Klausurgang. Und zu Recht passt dieser Lobpreis auf das Kreuz. Es ist ja das Symbol des christlichen Glaubens. Das österliche Geheimnis von Tod und Auferstehung steht im Mittelpunkt unseres Glaubens, an dem kommt niemand und schon gar kein Christ vorbei. Jesus hat uns durch seinen blutigen Kreuzestod und seine sieghafte Auferstehung von der Sünde und den Mächten des Bösen befreit. Das Kreuz ist Zeichen des Lebens, der Hoffnung, nicht Zeichen des Todes, der Verzweiflung. Denn durch das Holz des Kreuzes kam Freude in alle Welt.
Das große Vorausbild im Alten Testament für unsere Erlösung, durch Jesu Sterben am Kreuz, ist die Erhöhung der ehernen Schlage in der Wüste durch Mose. Wir hörten davon in der ersten Lesung aus dem Buch Numeri. „Wenn jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.“ (Num 21,9) Es ist hierbei aber kein magisches Denken gemeint, denn es war Gott, der die Tat vollbrachte, nicht die Schlage am Fahnenmast. Entscheidend bei der Rettung vor der Schlangenplage waren der Glaube und das Vertrauen in Gott, den die Menschen beim Anblick zur kupfernen Schlange hatten. Obwohl die Juden die großen Taten Gottes während ihrer Wüstenwanderung erfahren durften, meinten sie frech und mutlos: „Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig“ (Num 21,5). Aber Gott gibt sein Volk nicht auf, prüft es aber durch die Schlangenplage. Gleichzeitig gibt es eine Rettungschance aus der Lebensbedrohung. Diese „Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“ (Tit 3,4) ist in der Person des menschgewordenen Gottes Jesus Christus noch deutlicher und sichtbarer geworden. In seiner Passion und im Tod am Kreuz erreicht die „Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“ den Höhepunkt, denn niemand hat eine größere Liebe, als wer sein Leben für den anderen hingibt. (Vgl. Joh 15,13)
Das Kreuz war ein „Zeichen des Todes“ und durch Jesu Liebestat ist es zum „Zeichen der Liebe“ geworden.
Im Johannesevangelium kommt Jesus im Gespräch mit Nikodemus auf die Erhöhung der ehernen Schlage zu sprechen. Er bringt dies in den Zusammenhang mit der Deutung seines eigenen Todes am Kreuz: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zu Grunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Joh 3,16) Das Kreuz ist das aussagekräftigste Symbol der Christen. Dadurch, und nur dadurch, hat die Menschheit Heil und Leben empfangen. Der Grund für diese Großtat Gottes, das Erlösungsopfer Jesu am Kreuz, ist die Liebe Gottes zum Menschen. „O Crux ave – spes unica – Sei gegrüßt, du heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung.“ Es ist verständlich und angebracht, dass Menschen ein Kreuz um den Hals tragen, in jedem katholischem Haushalt ein Kreuz gehört, oder die Landschaft durch Wegkreuze bereichert wird. Alle sollen und müssen an die grenzenlose Liebe Gottes zu uns Menschen und die Erlösung erinnert werden. Das Kreuz ist das Zeichen des Sieges Jesu Christi über Sünde, Tod und Teufel. Natürlich ist es auch ein Zeichen des bitteren Leidens und des intensiven Schmerzes, denn die Kreuzigung war grausam, brutal und blutig. Doch dadurch solidarisiert sich Gott mit den Leiden und Schmerzen der Menschen. Wer auf den Gekreuzigten schaut und ihm vertraut, kann darum anders mit den Ungerechtigkeiten, dem Leid, den Schmerzen und dem Tod umgehen. Dies alles ist nun nicht mehr sinnlos. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht auch schwer fällt. Jesu hat nicht mit freudigen Hallelujagesängen auf den Lippen sein Kreuz getragen und ist so gestorben.
Wie die Juden im Alten Testament, bei der lebensbedrohlichen Schlangenplage, müssen wir uns angewöhnen, in allen Lebenslagen auf den Erlöser am Kreuz zu blicken und unsere Zuflucht finden. Die Teilnahme am Kreuz und Leiden Jesu muss immer wieder eingeübt werden. Die großen existenziellen Herausforderungen im Leben, besonders Tod und Leid, können so anders bestanden werden. Seien wir bereit unser ganzes Leben unter das Kreuz zu stellen! Wer sich mit dem Gekreuzigten verbindet, stellt sich auf die Seite Gottes und des Sieges. Durch das Geschehen auf Kalvaria und den Ostermorgen dürfen wir Zuversicht in jeder Lebenslage haben. Dies ist doch wirklich hoffnungsvoll! In dieser Stunde der Eucharistiefeier dürfen wir durch die Vergegenwärtigung des Liebes- und Heilsgeheimnisses unseren Glauben bestärken. Darum dürfen wir dankbar, vertrauensvoll und liebend bekennen: „O Crux ave – spes unica – Sei gegrüßt, du heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung.“
Geschrieben in Predigten |
2 Kommentare »

September 14th, 2011 um 12:13
Ja,wie wunderbar formuliert!Ein echter Kenner der Kreuzesmystik! Wie tröstend und bewegend.Ergreifend. Ave crux!!!
September 15th, 2011 um 15:02
Danke für die tiefen und ergreifenden Worte!