…durch seine Wunden sind wir geheilt (Jes 53,5).

Freitag, 16. April 2010 von Frater Gabriel

Am Freitag nach dem zweiten Ostersonntag begeht unsere Kongregation das Fest der Glorreichen Wunden unseres Herrn. Da unsere Vizeprovinz den Titel „von den heiligen fünf Wunden“ trägt, feiern wir diesen Tag sogar als Hochfest.

Das Fest wurde schon zur Zeit unseres Stifters feierlich begangen. Als Papst Clemens XIV. am 10. Januar 1773 das Institut als Kongregation mit einfachen Gelübden bestätigte, erbat unser Stifter, trotz schlechter Aussicht auf Erfolg, gewisse Eigenfeste feiern zu dürfen. Die Passionisten sollten dadurch tiefer in die Geheimnisse des Leidens und Sterbens unseres Erlösers eindringen und ihre Betrachtung sollte zusätzlich angespornt werden. Paul vom Kreuz wünschte bis zu seinem Tod, dass die Religiosen die feierlichen Gelübde, gleich den alten Orden, ablegen durften. Jedoch gewährte der Heilige Stuhl lediglich die Feier der einfachen Gelübde. Heute hat dies nur mehr zivilrechtliche Auswirkungen. Der Heilige Vater gewährte aber trotzdem die Feier einer Anzahl von Eigenfesten, welche damals noch als Anhang im römischen Messbuch und im Brevier zu finden waren. Sie enthielten das Fest der Glorreichen Wunden, der Dornenkrone, des Kostbaren Blutes Christi, der Lanze und der Nägel, des Schweißtuches, der sieben Schmerzen Mariens und das Hochfest mit Oktav von Kreuzerhöhung. Bereits 1758 wünschte der Stifter, dass ein eigenes Proprium der Eigenfeste mit Hymnen und liturgischen Texten zusammengestellt werde. P. Tommaso Struzzieri verwirklichte dieses in nur einem Jahr. Das Proprium wurde 1776, bereits nach dem Tod des Stifters, vom Heiligen Stuhl approbiert. [1] Nach der liturgischen Reform, welche im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil einsetzte, wurden viele dieser Feste aus dem liturgischen Kalender genommen, da das Zentrum unserer Erlösung, die liebende Lebenshingabe Jesu am Kreuz, wieder mehr in den Blick genommen werden sollte.

Gerade in unserer Zeit erhält dieses Fest einen ganz neuen Charakter. Viele Menschen sind durch diverse Lebensumstände verwundet und verletzt. Das oft raue Klima in unserer Gesellschaft macht so mancher zarten Seele schwer zu schaffen. Viele Menschen wurden und werden Opfer von Gewalt und Unterdrückung. Menschlich wird man mit der Hilfe für diese Menschen oft vor schier unüberwindbare Grenzen gestellt. Hier bedarf es göttlicher Hilfe. Hier bedarf es der gekreuzigten und verwundeten Liebe Gottes, welche sich für all die Sünden und Wunden dieser Welt ans Kreuz schlagen hat lassen. Der zerschundene Leib unseres Erlösers wirkt wie ein Spiegel für diese Seelen, an dem sie all ihre psychischen und physischen Verletzungen erkennen dürfen. „Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen“ (Mt 8,17). Genau hier setzt die Verehrung der Heiligen fünf Wunden an. Es ist nicht ein Verehren eines grausamen Verbrechens oder ein Sich-Ergötzen daran, sondern es ist das Wissen darum, dass allein aus diesen Wunden das Heil für die ganze Menschheit sprießt.

Schon der heilige Paul vom Kreuz verbreitete durch die von ihm gegründete Passionsbruderschaft die Andacht zu den Heiligen fünf Wunden. Er übernahm dazu den von den Jesuiten seit 1610 verbreiteten Fünfwundenrosenkranz und vereinfachte ihn. Fünf mal fünf „Ehre sei dem Vater“, in Erinnerung an die fünf Wunden Christi und fünf Mal ein „Gegrüßet seist du Maria“, als Gedenken an die Schmerzen Mariens. Durch die Dienerin Gottes, Marie-Marthe Chambon, einer Laienschwester des Heimsuchungsklosters von Chambéry (1841-1907), wurde der Wundenrosenkranz in die heutige Form gebracht. Diese können Sie hier nachlesen >>>

Papst Johannes Paul II. sagte anlässlich der Feier des Heiligen Jahres 1983: „Das ist der tiefe Sinn dieses Jubiläumsjahres: 1950 Jahre nach jenem Ereignis, das der Welt wieder Hoffnung geschenkt hat, war es angebracht, dass die Kirche in größter Verehrung und Dankbarkeit sich zu Füßen ihres Herrn versammelte, um die Male der Nägel und die Wunde in seiner Seite zu betrachten und in dem Blut, das diesen heiligen Quellen entströmte, das Bad zu erkennen, das sie gereinigt hat.“

  1. Vgl. Fabiano GIORGINI, La Congregazione della Passione di Gesù. Sguardo storico della spiritualità, organizzazione, sviluppo (Roma 2006) 75ff. []

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…und Er regiert von nun an auf ewig – Halleluja!

Sonntag, 4. April 2010 von Frater Gabriel

Wir Passionisten wünschen allen treuen Lesern unseres Blogs ein gesegnetes Osterfest. Möge es für Sie und Ihre Familien ein wahres Fest der Auferstehung werden. Dieses Werk von Georg Friedrich Händel sagt mehr als tausend Worte …und Er regiert von nun an auf ewig – Halleluja!

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Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben

Freitag, 2. April 2010 von Frater Gabriel

„Sie werden auf den schauen, den sie durchbohrt haben“ – mit diesen Worten beschließt der Evangelist Johannes seine Darstellung der Passion des Herrn; mit diesen Worten eröffnet er die Christusvision im letzten Buch des Neuen Testamens, das wir „Geheime Offenbarung“ zu benennen pflegen. Zwischen der zweimaligen Anführung dieses prophetischen Wortes aus dem Alten Bund liegt die ganze Geschichte ausgespannt: zwischen Kreuzigung und Wiederkunft des Herrn; in diesem Wort ist ebenso die Rede von der Erniedrigung dessen, der wie ein Verbrecher am Galgen starb, wie von der Macht dessen, der kommen wird, die Welt zu richten – auch unser Richter. „Sie werden schauen auf den, den sie durchbohrten“ – das ganze Johannesevangelium ist im Grunde nichts anderes als der Vollzug dieses Wortes, nichts anderes als das Bemühen, unsere Augen und unser Herz zu sammeln in den Blick auf Ihn hinein. Und die ganze Liturgie der Kirche ist nichts anderes als Schauen auf den Durchbohrten, dessen verhülltes Antlitz der Priester auf dem Höhepunkt des Kirchenjahres, in der gottesdienstlichen Feier des Karfreitags, den Augen der Kirche und der Welt enthüllt: „Seht, das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen!“ „Sie werden schauen auf den, den sie durchbohrten.“ – Herr, gibt uns, in dieser Stunde auf dich zu schauen, in der Stunde deiner Verborgenheit und Erniedrigung durch eine Welt, die das Kreuz als ärgerlichen Unfall übergehen will, die sich deinem Blick entzieht, ihn als unnütze Zeitvergeudung ansieht und nicht weiß, dass sie eben darin deiner Stunde entgegengeht, in der sich niemand deinem Blick wird entziehen können.[1]

  1. Quelle: Joseph RATZINGER, Birgit POTTLER (Hg.), Das Geheimnis von Tod und Auferstehung. Betrachtungen zur Fasten- und Osterzeit (Leipzig 2006) 6f. []

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Die Stunde von Gethsemane

Donnerstag, 1. April 2010 von Frater Gabriel

In der Stunde von Gethsemane erreicht dieses immerwährende Leiden seine bitterste Schärfe. Das Leben Gottes hat keine Zeit und keine Veränderung; es steht in unendlicher und einfacher Gegenwart. Das Leben des Menschen geht in Zeiten, steigt und fällt. Im Herrn war beides, die ewige Gegenwart und der Wandel der Zeit; so wird auch jenes innere Leiden seine Zeiten gehabt haben – des Umfangs, der Dringlichkeit, der Schärfe. Nun war die Stunde, da „alles vollbracht“ werden sollte.

Wer will wissen, wie Gott, der Vater, Ihm damals entgegentrat? Immer war Er sein Vater, und immer ging vom Vater zum Sohne die unendliche Liebe, welche der Geist ist; dennoch ist einmal der Augenblick gekommen, den das Wort ausdrückt: „Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Wenn wir von diesem Wort nicht lieber schweigen wollen, dann werden wir sagen müssen, der Vater habe sich Jesus so zu erfahren gegeben, als wäre Er der von Gott wegverlorene und verworfene Mensch. Jesus habe in jener Stunde die Einheit mit uns bis ins Geheimnis hinein ausgekostet. Das hat aber doch wohl nicht erst in jenem letzten Augenblick am Kreuze eingesetzt, sondern schon vorher. Wohl schon vorher ist Ihm der Vater als Jener entgegengetreten, der Er dem Sünder gegenüber ist – dem Sünder, dessen Dasein Christus ja als das seine auf sich genommen hatte. Vielleicht dürfen wir sagen, dass in der Stunde von Gethsemane jenes Wissen um die Menschenschuld und Menschenverlorenheit sich vor dem Angesicht des Vaters, der Ihn zu „verlassen“ begann, in seiner letzten Schärfe aufgerichtet hat. Da hat jenes Wissen und Leiden eine Furchtbarkeit angenommen, von der Jesu sichtbares Sich-Ängsten und Zurückschaudern, das „gewaltigere Beten“ und der Schweiß, der „wie Tropfen Blutes wurde, die zur Erde niederrannen“, das letzte an uns gelangende Zeichen waren – so wie ein Wirbel an der Oberfläche des Meeres das äußerste Anzeichen einer Katastrophe sein mag, die auf dessen Grunde vorsichgeht, und deren Ausmaße unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Das war die Stunde von Gethsemane: Dass Jesu Menschenherz und -geist in die letzte Erfahrung dessen eintrat, was die Sünde vor dem richtenden und rächenden Antlitz Gottes bedeutet. Dass sein Vater von Ihm forderte, Er solle diese Sünde als die seine auf sich nehmen. Und dass Er, wenn man so sagen darf, den Zorn des Vaters wider die Sünde gegen sich, der sie auf sich genommen, gerichtet sah und die Abwendung des Ihn „verlassenden“ heiligen Gottes erfuhr.

Wir „reden nach Menschenweise“. Vielleicht täten wir besser, zu schweigen. Aber wir sprechen ja nicht, um etwas aus Eigenem zu sagen, sondern um einen Dienst zu tun. Und gebe der Herr, dass jene Stunde an uns, die wir von ihr reden, nicht verloren sei. In ihr hat Er den Willen des Vaters angenommen und den Seinen hingegeben. „Sein“ Wille war nicht, sich gegen Gott zu behaupten; das wäre ja die Sünde gewesen. Dieser „Wille“ war wohl nur der Schauder eines so lebendigen und reinen Wesens davor, im Stand des Sünders stehen und – nicht aus persönlichem Tun, aber aus der unendlichen Verselbigung der stellvertretenden Liebe – Jener sein zu wollen, auf dem der Zorn Gottes lag. Das anzunehmen, war wohl der Inhalt seiner Worte: „Nicht was Ich will, sondern was Du.“

Da ist alles durchgekämpft worden. Was nachher kam, war der Vollzug dieser Stunde. In ihr wurde alles vorweggenommen; was nachher kam, war nur das Vollbringen.[1]

  1. Quelle: Romano GUARDINI, Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi (Mainz 182000) 467f. []

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