Tagebuch des hl. Paul vom Kreuz vom 8. Dezember 1720

Mittwoch, 8. Dezember 2010 von Br. Matthias Maria

Beim Beten war ich, wie gewöhnlich, im Frieden. Bei der Aufopferung der Peinen, die mein Jesus erlitten hat, war ich zu Tränen gerührt; ebenso, als ich für meine Nächsten betete.

Bei der heiligen Kommunion war ich außergewöhn­lich gesammelt; vor allem, als ich in Liebe und Schmerz meinem Jesus von seinen Qualen erzähl­te[1]. Diese so erhabene Gnade, die Gott mir zu dieser Zeit schenkt, weiß ich nicht zu erklären, denn ich kann es nicht. Sie mögen wissen:[2] wenn ich über die Peinen zu meinem Jesus spreche, dann muß ich, wenn ich über eine oder zwei gesprochen habe, innehalten, denn die Seele kann nicht mehr reden, und sie hat den Eindruck, zu zerfließen[3]. So ist sie am Verschmachten, doch mit einer einzigartigen Zartheit, die mit Tränen gemischt ist; dabei sind ihr die Leiden ihres Bräutigams innerlich eingegossen oder, um mich besser verständlich zu machen, sie ist hineingetaucht in das Herz und in den heiligsten Schmerz ihres gütigsten Bräutigams Jesus. Den Rest des Eintrags lesen »

  1. Hier wird deutlich, in welch innig-intimem Verhältnis der Heilige besonders mit dem leidenden Herrn stand. []
  2. Angesprochen ist wieder sein Seelenführer, Bischof Gattinara. []
  3. Das »Zerfließen der Seele in Gott« ist eine Formu­lierung, die Franz von Sales in seiner »Abhandlung über die Gottesliebe« gebraucht: »Aber die Liebe, die stärker ist als der Tod (Hld 8,6), macht die Herzen weich und zart und schmilzt sie viel rascher als alle anderen Leidenschaften… So hat die Liebe den Bräutigam förmlich zum Zerfließen gebracht; deshalb nennt ihn die Braut ein ‘ausgegossenes Öl’ (Hld 1,2)«. (Gottesliebe VI, Kap. XII, Nr. 2 und 3; a. a. O. III, 300). – Zweifelsohne hatte Paul vom Kreuz be­reits zu dem Zeitpunkt, da er diese Aufzeichnungen machte, die Werke des Franz von Sales sowie die Schriften von Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz gelesen. Das beweisen die vielen Entspre­chungen in der Formulierung und die zahlreichen Bilder und Gleichnisse, derer er sich bedient und die bereits bei diesen Klassikern der geistlichen Litera­tur zu finden sind. []

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Tagebuch des hl. Paul vom Kreuz vom 26. November 1720

Freitag, 26. November 2010 von Br. Matthias Maria

Ich machte unwürdig die nächtliche Betrachtung.[1] Dabei war ich innerlich trocken, außer am Anfang, wo ich eine gewisse Frohgemutheit, die sehr fein und zart war, verspürte. Dann empfing ich die hei­lige Kommunion und war dabei besonders in Gott versenkt mit einer hohen Glückseligkeit und einer gewissen Wärme des Herzens, die auch die Magen­gegend mit umfaßte. Ich spürte, daß diese von über­irdischer[2] Art sei, denn sie bewirkte in mir großen Trost.

Ich weiß, daß ich auch Zwiegespräche[3] über das bittere Leiden meines lieben Jesus führte; wenn ich über seine Schmerzen und Qualen spreche, sage ich zu ihm z. B.: Oh, mein Gut! Wie war es deinem heiligsten Herzen zumute, als du gegeißelt wurdest? Mein lieber Bräutigam, wie hat dich der Anblick meiner großen Sünden und meiner Undankbarkei­ten betrübt! Oh, meine Liebe! – Warum sterbe ich nicht für dich? Warum werde ich nicht ganz von Qualen verzehrt? Und dann fühle ich manchmal, daß der Geist nichts mehr sagen kann; und so ver­bleibt er in Gott mit seinen in der Seele eingegosse­nen Leiden[4] . Bisweilen scheint es, als ob das Herz zerfließen möchte.

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  1. Paul vom Kreuz stand gegen Mitternacht auf, um die Matutin (Teil des Breviergebets, das vor allem in Klö­stern zur Nachtzeit verrichtet wurde) zu beten und an­schließend eine Stunde lang Betrachung zu machen. []
  2. Auch die hl. Theresia von Avila spricht des öfteren von solchen »überirdischen« Freuden im Gebet, die angenehme Empfindungen des Körpers hervorbringen. Vgl. Die Seelenburg, 6. Wohnung, Kap. II []
  3. Diese Zwiegespräche mit dem leidenden Herrn wa­ren für Paul vom Kreuz eine beliebte Gebetsart. Er machte davon besonders bei seinen Leidensbetrachtungen Gebrauch, die er später während der zahlrei­chen Volksmissionen hielt. []
  4. Die »eingegossenen Leiden« (tormenti infusi) spielen in der Passionsmystik des Paul vom Kreuz eine große Rolle. Es handelt sich dabei um eine gnadenhaft-mystische Teilnahme an den Leiden Jesu, die nicht als bloßes »Mitleid« gedeutet werden darf. Man könnte hier von einer »geistigen Stigmatisierung« sprechen. []

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Auf dem Weg zum Ordensgründer

Dienstag, 23. November 2010 von Br. Matthias Maria

Es ist Jener Zeitabschnitt im Leben des Paul vom Kreuz, in dem seine »Berufungsgeschichte« zum Ordensgründer ihren Ort hat. Über deren Werdegang sind wir nicht auf vage Vermutungen oder Rückschlüsse aus sekundären Quellen angewiesen; denn es sind uns Aufzeichnungen erhalten, in denen er selbst auf seine Berufungs­geschichte zum Ordensgründer zu sprechen kommt. Seine Berufung vollzog sich in vier Etappen:

Zunächst erging an ihn der Ruf, »sich in die Einsamkeit zurückzu­ziehen, .. . ein armes, schwarzes Gewand zu tragen, … in größter Armut zu leben … und ein Leben in Buße zu führen«; man könnte kurz sagen: es ist die Berufung zu einem Einsiedlerleben.

Die zweite Etappe seiner Berufungsgeschichte bestand in der Ein­gebung, »Gefolgsmänner zu sammeln«, die sich zusammen mit ihm einsetzen wollten, »in den Seelen die Furcht Gottes zu mehren«. Zunächst maß er (nach seinen eigenen Worten) diesem inneren Ruf keine Bedeutung bei. Nach wiederholten inneren Erleuchtungen jedoch vergrößerte Gott in ihm »das Verlangen und den inneren Drang, Gefolgsmänner zu sammeln und mit der Erlaubnis der heili­gen Mutter Kirche eine Kongregation zu gründen mit dem Titel: Die Armen von Jesus«. Den Rest des Eintrags lesen »

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Die großen Vorbereitungsexerzietien

Montag, 22. November 2010 von Br. Matthias Maria

40 Tage in »Gebet, Buße und Einsamkeit«

Ein entscheidendes Datum im Leben des Ordens­gründers ist der 22. November 1720. An diesem Tag nimmt Paolo Francesco Danei Abschied von seinen Eltern und Ge­schwistern und begibt sich nach Alessandria, das einige Kilometer von Castellazzo entfernt liegt, zu seinem Bischof und Seelenführer, Msgr. Gattinara. Noch am selben Tag empfängt er aus dessen Hand ein schwarzes Ordenskleid, das ihm der Bischof zum Geschenk macht. In einer schlichten Zeremonie in der Privatkapelle des Bischofs wird Paul als Eremit eingekleidet.[1]

In den nächsten sechs Wochen – vom 23. Novem­ber 1720 bis 1. Januar 1721 – lebt er einsam und zurückgezogen, unter den primitivsten Wohnbedingungen, in einem Abstellzimmer neben der Sakri­stei der Kirche San Carlo zu Castellazzo. Endlich wird sein lang gehegter Wunsch: in Zurückgezogenheit, Buße und Gebet zu leben, Wirklichkeit. Man könnte diese Zeit als die »Vorbereitungsexerzitien« zu seinem Leben als Einsiedler und Ordensgründer betrachten. In dieser Zeit – genauer gesagt, vom 2. bis 7. Dezember 1720 – schreibt er auch die Regeln für die zu gründende Ordensgemeinschaft.

Da Bischof Gattinara, sein damaliger Beichtvater und Seelenführer, in dem ideal gesinnten jungen Mann einen Gott-begnadeten Menschen erkannt hat, gibt er ihm den Auftrag, während seiner 40-tägigen Zurückgezogenheit eine Art Tagebuch zu füh­ren. Er sollte seine inneren, geistlichen Erlebnisse und Erfahrungen schriftlich niederlegen. Paul, der sich immer genau an die Weisungen seiner Seelen­führer hielt, kam dieser Aufforderung nach, und so entstand das »geistliche Tagebuch des Paul vom Kreuz«, das uns in einer zuverlässigen Abschrift er­halten geblieben ist. Die Aufzeichnungen dieses Tagebuchs machen deutlich, zu welch hohem Grad des Gebets und der Mystik der Heilige bereits zu diesem Zeitpunkt gelangt ist. Hier finden wir die ge­samte geistliche Lehre, die der Heilige dann in den folgenden 55 Jahren vertreten hat, in ihren Grund­zügen vorgebildet.

  1. Vgl. Annalen der Kongregation, 34 f.; Prozesse I, 42. – Den 22. November 1720 kann man als die Ge­burtsstunde der Kongregation der Passionisten be­zeichnen; denn Paul war zu diesem Zeitpunkt be­reits fest entschlossen, den an ihn ergangenen Ruf Gottes zur Gründung einer Ordensgemeinschaft zu verwirklichen. []

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Hochfest des heiligen Paul vom Kreuz

Dienstag, 19. Oktober 2010 von Br. Matthias Maria

Der Heimgang (Transitus) unseres seligen Vaters Paul vom Kreuz am 18. Oktober des Jahres 1775:

„Kurz darauf gegen die Stunde der Vesper wurde er von einem starken unerwarteten Froste überfallen, der der Bote des Todes war. Er ließ sich alsdann auf die linke Seite wenden mit dem Gesichte zum großen Kreuze gerichtet, das auf der entgegengesetzten Wand hing und bat, man möchte ihm sogleich P. Giovanni Maria zum Beistand kommen lassen. Der gute Pater nahm alsdann das Kruzifix in die Hand und sagte: Hier stehen meine Hoffnungen auf das Leiden Jesu Christi und auf die Schmerzen der seligsten Jungfrau. Er hatte schon die Religiosen gebeten, dass wenn seine letzten Augenblicke kämen, sie ihn auf die Erde oder wenigstens auf Stroh legten und um ihn den heiligen Habit und einen Strick um den Hals, um in der Kleidung eines Büßers zu sterben. Ihm versagte die Stimme, aber sein Geist und sein Gedächtnis war immer frei, und man merkte den Trost, den ihm die frommen Gedanken und Gefühle, die man ihm einflößte, machten, und für den Mann Gottes war diese Hoffnung sehr süß, womit er zur Buße unzählige Sünder angetrieben hatte. Als der Rektor des Hauses, welcher die für die Aussegnung der Seele vorgeschriebenen Gebete las, und zum Leiden Christi nach dem heiligen Johannes kam, so merkte man, dass der Sterbende diese Lesung sehr liebe, darum trat er ihm näher, dass er sie mehr hörte. Sein Beichtvater erteilte ihm von neuem die sakramentale Lossprechung und einer von den Konsultoren, der besonders vom Papst abgeordnet war, gab ihm den Segen im Augenblick des Todes, der von dem Segen des Rosenkranzes und der Lieder begleitet war, damit die Seele, mit solchen Schätzen bereichert, noch schöner und herrlicher vor der Majestät Gottes erscheine.

Daher glaubte man, dass er sich damals der seligsten Anschauung erfreute. Nachher wußte man, was derselbe P. Paul nach seinem Tode einer Person von einem heiligen Leben offenbarte; dass, als er dieses Zeichen machte, Jesus, Maria, St. Paul, St. Lukas, St. Petrus Alcantara, seinen Bruder Joh. Baptist und andere Verstorbene von der Kongregation, mit vielen von ihm bekehrten und geretteten Seelen anwesend waren, die zu seiner Hilfe kamen und um ihn zu seinem Siege zu begleiten. Der Bischof (Thomas) sagte: P. Paul möge sich im Himmel an die arme Kongregation, wofür er so viel ausgestanden, und an uns alle seine armen Söhne erinnern. Der Sterbende machte es durch Zeichen kenntlich, dass es ihm am Herzen liege. Hierauf schlossen sich in der Tat die Augen, welche immer die Erde als den Ort der Verbannung ansahen, und nach einer Viertelstunde sah er sich im Hafen der ewigen Sicherheit, im Herrn in solcher Ruhe und Gelassenheit entschlafend, dass man an ihm keine Bewegung sah. Er starb in Buße und Beschwerden vollendet am Mittwoche, einundachtzig Jahre alt, zwischen drei und sechs Uhr am 18. Oktober 1775.

Gekürzte Wiedergabe aus: „Das Leben des ehrwürdigen Dieners Gottes Paul vom Kreuz“, Regensburg 1846

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Fastenzeit – Zeit für das Wesentliche!

Freitag, 5. März 2010 von Pater Gabriel

Die Fastenzeit lädt uns immer wieder ein, uns auf das Wesentliche in unserem Leben zu konzentrieren. Für den heiligen Paul vom Kreuz war dies stets eine Zeit des intensiven Gebetes und der Buße. In unserer Regel heißt es dazu: „Das Amt von Fastenpredigern sollen sie nicht übernehmen, sondern dies andern überlassen und diese Zeit in der Einsamkeit unserer Klöster mit Gott verbringen. So sollen sie in der Liebe wachsen und nach dem Fest der Auferstehung des Herr mit besserem Erfolg wieder apostolische Missionen und andere Dienste im Sinne unseres Institutes zum Heil des Nächsten übernehmen“ (Kap. 23).

Nicht nur uns Passionisten gab der Heilige Weisungen für die Fastenzeit, sondern auch Laien führte er durch unzählige Briefe in ihrem geistlichen Leben. Im Folgenden einige Auszüge aus den uns erhaltenen Briefen, welche uns speziell für die Fastenzeit Impulse geben können.

“Wer ein großer Heiliger werden will, muss auf der Hut sein, dass in ihm nichts lebe außer Gott. Darum prüfe er sich, ob alle seine Werke aus Liebe zu Gott geschehen, und ob sie übereinstimmen mit den Werken Jesu Christi, der für uns ist ‘der Weg, die Wahrheit und das Leben’.”

“In dem Moment, in dem wir den Willen Gottes erkennen, sollen wir demselben Folge leisten, gleichwie das Wachs, das dem Feuer nahe kommt, die Form annimmt, die der Bearbeiter ihm geben will.”

“Wie wir in einen Obstgarten gehen, um Früchte und nicht Blätter zu sammeln, so müssen wir uns auch in den heiligen Garten des Gebetes begeben, nicht um die Blätter gefühlvoller Empfindungen und Tröstungen zu empfangen, sondern die Früchte der Nachahmung der Tugenden Jesu Christi.”

“Kann jemand bei Erfüllung seiner Standespflichten nicht viel beten, so beunruhige er sich deswegen nicht, sondern trachte seine Pflichten getreu zu erfüllen, indem er beständig Gott vor Augen hält, das wird ein ausgezeichnetes Gebet sein.”

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Hochfest des Heiligen Paul vom Kreuz

Montag, 19. Oktober 2009 von Pater Gabriel

sterbeszene_paul_vom_kreuzAm heutigen Tag wird das Hochfest des Heiligen Paul vom Kreuz gefeiert. Sein Todestag war der 18. Oktober 1775. Liturgisch wird er jedoch erst heute begangen.

Bischof Struzzieri [Bild links], Ordinarius von Amelia (Umbrien), reiste extra an, um den kranken Paul vom Kreuz in Rom zu besuchen. Als er bemerkte, dass das Leben des Ordensgründers seiner Vollendung zuging, beugte sich der Bischof über das Bett und flüsterte ins Ohr des Heiligen: “P. Paul, sobald sie im Himmel sind, vergessen sie nicht ihre arme Kongregation, für die sie so hart gearbeitet haben und denken sie auch an uns, ihre armen Kinder.“ Paul vom Kreuz machte ein Zeichen als ob er sagen wolle, „Ja, das werde ich“. Dann schloss er seine Augen und nach kurzer Zeit  tat er seinen letzten Atemzug. Es war etwa um viertel vor Fünf am Nachmittag.

Hier ein sehenswerter Beitrag über sein Leben:


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Die Wüste des hl. Paul vom Kreuz (Teil V)

Samstag, 6. Juni 2009 von Pater Gregor

karte_paul_vom_kreuz_1_kleinIm Folgenden soll der letzte Teil unserer Reihe “Die Wüste des hl. Paul vom Kreuz” veröffentlicht werden.

Schule des Hörens
Die Konstitutionen der Passionisten unterstreichen deutlich den Wunsch des hl. Paul vom Kreuz, „dass seine Söhne ohne Unterlass beten sollten und dass unsere Gemeinschaften geeignete Stätten seien für tiefe Gotteserfahrung und wahre Schulen des Gebetes.”[1] Sie nennen auch die Voraussetzungen für eine solche Erfahrung, nämlich inneres und äußeres Schweigen. Nur so wird man den „liebenden Anruf des Vaters” vernehmen und ihm im Gebet antworten können. Die Einsamkeit und das Schweigen des passionistischen „ritiro” bilden – nach der Konzeption des Gründers – ideale Bedingungen, um hörende und damit betende Menschen zu werden. Gleichzeitig sensibilisieren sie für die Nöte des Nächsten. Auch die neuen Konstitutionen erinnern daher daran, „die Zeiten und Orte des Stillschweigens zu beachten”. Der prophetische Dienst der Passionisten in der Welt muss aus dieser Schule schweigenden Hörens erwachsen, denn das Schweigen ist das Geheimnis geistlicher Fruchtbarkeit. Den Rest des Eintrags lesen »

  1. Regel und Konstitutionen der Kongregation vom Leiden Jesu Christi, (deutsche Übersetzung), Rom 1984, Nr. 37. []

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Die Wüste des hl. Paul vom Kreuz (Teil IV)

Mittwoch, 8. April 2009 von Pater Gregor

Schweigen und Kommunikation

Die Wüste empfängt den Neuankömmling mit Schweigen. Das kann ei­nen, an die laute Geschäftigkeit des Stadtlebens gewöhnten Menschen zunächst unheimlich anmuten. Derjenige jedoch, der sich darauf einlässt, wird bald die heilende und reinigende Kraft des Schweigens erfahren, die von der geistigen Umweltverschmutzung unserer Tage befreit. Vielleicht ist das der Grund, warum sich so viele aus der Stadt in die Natur zurück­ziehen. Schweigen tötet nicht die Kommunikation, sondern ist im Gegen­teil „Grundbedingung für die echte geistliche Erfahrung des Dialogs mit Gott und den Brüdern.”[1] Es darf keinesfalls mit Stummheit gleichgesetzt werden. Schweigen stellt vielmehr die Voraussetzung für das Hören und die existentielle Annahme des anderen dar, für Haltungen also, ohne die es keinen echten Dialog gibt. Gilt dieses Prinzip schon auf der menschli­chen Ebene, so gewinnt es um so mehr an Bedeutung in unserer Bezie­hung zu Gott. Dem äußeren Schweigen der Wüste muss das innere Schweigen des Menschen folgen, das Gott in der Seele zu Wort kommen lässt. Gott spricht im Schweigen, „weil er selbst im Schweigen lebt, Sym­bol jener Fülle, die jeder Kommunikation vorausgeht.”[2] Daraus ergibt sich die Wichtigkeit des Bandes „zwischen dem Schweigen alles Seienden (…) und dem Hören des Wortes.”[3] Gerade die Wüste ist hierfür die beste Schule. Sie bereitet den Menschen für das schweigende Hören des Abso­luten und wird so gleichzeitig zur Schule der Prophetie, die das Gehörte weiterträgt. Das Schweigen der „Wüste Gottes” ist also intensive Kom­munikation, voll göttlicher Gegenwart. Den Rest des Eintrags lesen »

  1. Corso di Spiritualità (s. Anm. 34) 744. []
  2. Ch. A. Bemard (s. Anm. 40) 274. []
  3. Corso di Spiritualità (s. Anm. 34) 744. []

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Die Wüste des hl. Paul vom Kreuz (Teil III)

Mittwoch, 1. April 2009 von Pater Gregor

Kontemplation

Dieser Vorgang der Umformung hat Paul zu einer großen Vertrautheit mit dem Geheimnis der Menschheit Christi in seinem Leiden geführt. So tief er auch in die Schau Gottes eindringt, löst er sich doch nie aus der liebend-schmerzenden Verbindung mit dem leidenden Herrn, „weil er den Absoluten genau in jener leidenden Menschheit betrachtet, im Wissen, dass vor allem in ihr der Unendliche als Liebe widerstrahlt.”[1]
Dafür besitzen wir ein wundervolles Zeugnis in der letzten Tagebucheintragung vom l. Januar 1721, „dem Höhepunkt der Denkschrift, der sich auf ein Leben ausstrahlen wird.”[2] Den Rest des Eintrags lesen »

  1. S. Paolo della Croce, Diario spirituale, hrsg. v. E. Zoffoli, 40. []
  2. S. Breton (s. Anm. 18) 64. []

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