XIV. Station: Jesus wird ins Grab gelegt

Mittwoch, 30. April 2008 von Pater Gabriel

xivstation.JPGDie Schmerzensmutter hält ihren toten Sohn noch immer in Händen. Josef von Arimathäa und Nikodemus wickeln den Leichnam in ein weißes Leinentuch und bringen ihn in ein ausgehauenes Grab, in der Nähe der Richtstätte. In diesem Grab hat noch niemand gelegen. Josef von Arimathäa, der aus Furcht vor den Juden nur ein heimlicher Jünger Jesu war (vgl. Joh 19,38), schenkte dem toten Herrn etwas Persönliches und ganz Besonderes. Das Grab war für ihn selbst bestimmt. Nun wird das ewige Leben in ihm ruhen. So sollen auch wir für Gott einen besonderen Platz in unserem Leben bereithalten, um diesen mit Ihm selbst füllen zu lassen. —

Das neue Grab erinnert uns auch an die Geburt Jesu. Aus einer unberührten und reinen Jungfrau wollte der Schöpfer des Himmels und der Erde zur Welt kommen. In einem unberührten und reinen Felsengrab geht Er nun aus dieser. —

Maria und die andren Frauen begleiteten den kleinen Trauerzug. Verschwunden sind die Massen des feierlichen Einzuges in Jerusalem, verschwunden auch die Massen der Geheilten. Kostbare Öle und Salben werden bereitet, um den Herrn zu salben. Im alten Israel wurden die Könige bei ihrer Inthronisation mit Öl gesalbt. Nun wird ein anderer König gesalbt, es ist der König der Könige. Nicht Macht, Unterdrückung und Krieg haben Ihn ausgezeichnet, sondern allein die Liebe, welche Er uns in unüberbietbarer Weise am Kreuz gezeigt hat.


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XIII. Station: Jesus wird vom Kreuz genommen

Freitag, 25. April 2008 von Pater Gabriel

xiiistation.JPGAus technischen Gründen konnten die Kreuzwegbetrachtungen vor Ostern nicht mehr fortgeführt werden. Dies soll nun nachgeholt werden.

Nach drei Stunden Todeskampf sprach der Herr mit letzter Kraft: „Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf“ (Joh 19,30). Josef von Arimathäa und Nikodemus, der Jesus eines Nachts aufgesucht hatte, nahmen den Leichnam Jesu ab und übergaben ihn Seiner Mutter. Maria hält Ihn behutsam im Arm wie ein Kind und blickt auf Seine Dornenkrone, die Wunden der Nägel, die Striemen der Geißelung und Seine Seitenwunde. Ebenso wie in der Krippe zeigt sie ihren Sohn der Menschheit, nun aber als den Gekreuzigten. Maria, das Urbild der Kirche, betrachtet lange in Schweigen den Leichnam des Erlösers. Wie viel können wir doch in dieser Schule lernen. Voll Liebe senkt sich der Blick der Mutter auf ihren Sohn. Er weilt bei den offenen Wunden Jesu, die die Liebe Christi in diese Welt rufen. Daran haben wir die Liebe erkannt, dass Er sein Leben für uns hingegeben hat“ (1 Joh 3,16). —

Maria trauert um ihren Sohn, doch ihre Trauer ist erfüllt von der Hoffnung auf die Auferstehung. Sie allein war ganz erfüllt von dieser. Sie allein hat weiter geglaubt, gegen alle Hoffnung. Sie allein weiß um die Größe und Macht Gottes (vgl. Lk 1,46). Gott hat die Macht selbst über den Tod. Der Tod hat von nun an keinen Stachel mehr. —

Maria ist uns Vorbild, wenn auch unsere Seele das Schwert der Trauer und Not durchbohrt. Maria gilt uns als Licht auf dem Weg des Glaubens, der manchmal dunkel ist. Maria nimmt uns an der Hand, wenn wir meinen, die Hand Gottes nicht mehr zu halten.

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XII. Station – Jesus stirbt am Kreuz

Freitag, 21. März 2008 von Elisabeth Ploechl

xiistation.JPGDer Herr haengt angenagelt drei Stunden am Kreuz. Er ist am Ende, die Lungen drohen zu versagen, unendliche Schmerzen erfuellen Seele und Leib. “Wenn ich von der Erde erhoeht bin, werde ich alles an mich ziehn!” – hatte der Herr einst gesprochen. Und wahrlich, ziehen nicht seine letzten Worte am Kreuz, die ein Vermaechtnis fuer uns sind, die ganze Welt an? Ist nicht die Vergebung Jesu am Kreuz etwas Erschuetterndes? Wir verwunden ihn zu Tode und er verzeiht, er sieht auf unsere Schwaeche in der aussersten Entmachtung? Wer kann so lieben? Wer kann so verzeihen? Wer blickt im Leid noch an andere und verschliesst sich nicht in seinen Schmerzen? Wer verschenkt noch das Letzte und Liebste, seine Mutter Menschen, die wahrliche Verbrecher sind?

Herr, wer kann das Mass deiner Liebe verstehen? Wir koennen nur erahnen, was Liebe bedeutet. Du gibst, ohne zu zaehlen. Du rechnest nicht. Du verurteilst uns nicht und vergibst uns unsere Schuld. Du erleidest die tiefste Verlassenheit fuer uns, um bei uns sein zu koennen. Wie sehr koennen wir dir danken, danken Herr.

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XI. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

Donnerstag, 13. März 2008 von Elisabeth Ploechl

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Die Soldaten nageln den Leib des Herrn hart und grausam an das Kreuz. Die Hammerschläge sind lautstark zu hören, der Herr wimmert und lässt an sich geschehen. Seine Hände, die sovielen Menschen Hilfe und Segen brachten, sind nun angenagelt an das Holz der Erlösung. Die Ohnmacht des Herrn ist grenzenlos. Der Herr bindet sich ganz an seine Schöpfung.

 

Einst stand im Garten Eden der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und der Baum des Lebens. Vom ersteren aßen die Menschen und der Tod kam in die Welt. Wieviel Unheil ist seither mit uns und unserer Schöpfung geschehen? Wieviele Tränen, wieviele Schmerzen, wieviel Trauer und Sorge erfüllt seither die Welt?

 

Nun lässt sich der lebensspendene Gott vernichten: Stück um Stück zerstört man Seele und Leib. Man durchbohrt DAS LEBEN, man verwundet es zu Tode, doch der Baum des Lebens atmet Ewigkeit. ICH BIN, DER ICH BIN. DAS SEIN kann kein Mensch zerstören, der nur ein kleiner Teil des Lebens ist. Der Durchbohrte schenkt das Leben und lässt uns schöpfen. Nehmt, esst und trinkt: Das ist mein Leib.

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X. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

Mittwoch, 12. März 2008 von Elisabeth Ploechl

xstation.JPGJesus hat das Kreuz bis nach Golgotha getragen. Nun am Ende des Weges nimmt man ihm auch das Letzte: seine Kleider. Man entwürdigt den Herrn, man will ihn förmlich mit allen möglichen Mitteln erniedrigen. Der Herr schweigt und lässt alles mit sich geschehen.

 

Herr, hilf mir auf dich zu schauen, wenn man mir Ehre, Ansehen und Geliebtes nimmt. Zeig mir, dass es keinen Verlust gibt, den du nicht vor mir miterlebt hättest. Sei mir Vorbild, wie ich mein Leben und Verlieren trotzdem vertrauensvoll in deine Hand legen kann. Lehre mich, meinen Schmerz in den deinen hineinzuwerfen, glaubend, dass du niemals nimmst, ohne wieder zu geben. Herr, du hast alles verloren und doch alles gewonnen. Vielleicht muss ich auch noch vieles verlieren, um das Spiel deiner Liebe zu lernen.

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IX. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Freitag, 7. März 2008 von Pater Gabriel

ixstation.JPGWenige Meter vor dem Ziel der Henkersknechte bricht Jesus erneut zusammen. Viel schwerer und schmerzlicher als zuvor ist dieser Sturz. Das Kreuz trifft unseren Herrn und Heiland mit voller Wucht und drückt Ihn zu Boden. Erschöpft, todgeglaubt, bleibt Er liegen.

Wer von uns kennt nicht diese Situation? Man schenkt soviel Liebe und bekommt nichts als Ablehnung. Man gibt alles her, behält nichts für sich zurück, aber die Liebe wird nicht erwidert. So viel Liebe, so wenig Gegenliebe – Jetzt ist es genug! – Ich kann nicht mehr! Mit letzter Kraft versucht Christus wieder aufzustehen. Er kann nicht liegen bleiben, Seine Liebe hat keine Grenzen. Seine Liebe ist „unmenschlich“. Vereint mit Ihm können wir lieben, ohne Ihn wird unsere Liebe trocken, wie der Staub auf den Straßen Jerusalems. —

Als Christus versucht aufzustehen hört man Ihn gleichsam sagen: „Komm, der du unter der Last des Kreuzes liegst. Hier ist meine Hand. Mit letzter Kraft und Liebe reiche ich sie dir. Reiche mir deine Hand, ich will dich befreien. Meine Jünger sind frei, keine Sklaven der Sünde. Komm, die Liebe hört niemals auf.“

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VIII. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

Montag, 3. März 2008 von Pater Gabriel

viiistation.JPGWelch ein Anblick! Der Gottmensch, mit Dornen gekrönt, das Kreuz auf den Schultern, blutüberströmt, das Gesicht von Schmerzen verzerrt, getrieben wie ein Stück Vieh. Wen wundert es, wenn die Frauen am Wegesrand in Tränen ausbrechen? Er, der nur Gutes tat, jetzt verurteilt zum Tode? Was war Sein Verbrechen? Liebe? —

Jesus wendet sich den Frauen zu. In Seinen unsagbaren Schmerzen hat Er noch Gedanken der Liebe für Seine Nächsten. Es ist das einzige Mal, dass Jesus auf Seinem Kreuzweg zu jemandem spricht. Wie bedeutungsvoll sind doch diese Worte! Er will jenen Frauen, die Sein Leiden betrachten und beweinen, eine tiefere Sicht vermitteln. „Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! … Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann mit dem dürren werden?“ (Lk 23,28.31) Er führt sie von ihrem bloßen Mitleid weg, hin zum Ufer des Meeres Seiner heiligen Leiden. Denn die Ursache dieses Meeres sind die Sünden der ganzen Menschheit, doch Seine Liebe macht dieses salzig-bittere Meer, zum süßen Strom der Gnade. —

Christus selbst lehrte somit diese Frauen die Betrachtung Seiner heiligen Leiden. In diesem Geist lehrt uns auch Paul vom Kreuz wenn er schreibt: „Das wirksamste Mittel, um auch die verlorensten Seelen zu retten, ist das heiligste Leiden Jesu Christi, denn die Betrachtung der Leiden des Erlösers hat die Macht, die Laster auszurotten und die Seelen in der heiligen Liebe und Gottesfurcht zu festigen.“

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VII. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Freitag, 29. Februar 2008 von Pater Gabriel

viistation.JPGEtwas gestärkt durch den Liebesdienst der heiligen Veronika, setzt unser Herr Jesus Christus Seinen Kreuzweg fort. Sein heiliger Leib ist gezeichnet von den Martern der Geißelung, die Mittagshitze ist nahezu unerträglich, der Blutverlust groß. Abermals verlassen Ihn die Kräfte – Er stürzt zu Boden, das Gesicht im Staub, das Kreuz auf Seinen Schultern. —

Ganz nahe wollte der Herr den Sündern sein. Sein ganzes irdisches Leben hat Er damit verbracht, heimzuholen, die verloren sind. Durch unsere Sünden fallen auch wir immer wieder auf unserem Lebensweg. Wir liegen am Boden, das Gesicht im Staub unserer Erbärmlichkeit, Christus liegt neben uns. Komm!, spricht Er zu uns, lass uns gemeinsam weitergehen. Ich helfe dir! Aus Liebe zu dir bin auch ich gefallen. Um Dir ganz nahe zu sein. Komm, lass uns weitergehen. Meine Kraft wird dich wieder aufrichten. Folge mir, ich gehe voran.

Gott kennt uns, besser als wir uns selbst. Er kennt all unsere Schwächen und Fehler. Er selbst hat uns ja geschaffen. So weiß Er auch, wie schwer es für uns ist die Sünde zu meiden. Fallen werden wir immer wieder, doch liegen bleiben dürfen wir nicht. Am Boden und im Sumpf der Sünde dürfen wir uns nicht ausruhen. Nehmen wir uns Christus zum Vorbild. Sein Erlöserwillen hat Ihn wieder aufgerichtet. So schreibt auch unser Ordensvater in einem Brief: „Nicht wenige Gläubige leben, ohne daran zu denken, was Jesus, unser Leben, für uns getan und gelitten hat. Deshalb schlummern sie in der Nacht der Bosheit dahin.“

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VI. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

Mittwoch, 27. Februar 2008 von Pater Gabriel

vistation.JPGDie Volksmenge drängt immer mehr zusammen. Der Hass gegen Jesus erreicht ein kaum überbietbares Maß. Nur ein Mensch lässt sich vom Strom der Massen nicht mitreißen. Die Tradition stellt sie uns als Veronika vor Augen. Veronika als eine, die sich nicht beeindrucken lässt vom Tun der anderen, die sich selbst vergisst und nur das Wohl des anderen im Blick hat, die nicht tatenlos zusehen will, am Unrecht das getan wird. Sie schreitet mutig durch die Masse, ohne sich über sie zu erheben, sie kniet vor unserem Herrn und Heiland nieder, sie, die große Liebende macht sich ganz klein, um der wahren Liebe Raum zu geben. —

Was kann ihr Jesus nun als Dank geben? Er, der arm und zerschlagen sich durch die Gassen quält? Alles was Er besitzt schenkt Er ihr. Er schenkt ihr Sein Leiden, Er nimmt sie ganz hinein in Seinen Schmerz und Seine Liebe. Er drückt Sein Angesicht nicht nur in das Leinentuch, sondern vor allem in ihr Herz – Von nun an wird sie zum Abbild für den leidenden Christus. So schreibt der Völkerapostel Paulus: „Wohin wir auch kommen, immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.“ —

Tod und Leiden haben seit Christus nicht mehr das letzte Wort. Das letzte Wort heißt Leben – ewiges Leben.

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V. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Montag, 25. Februar 2008 von Pater Gabriel

vstation.JPGDie Henkersknechte treiben Jesus weiter zur Stadt hinaus. Jesus, der immer offene und segnende Hände für die Menschen hatte, sieht jetzt nur noch geballte Fäuste vor sich. Wie sehr hätte Er sich nach liebenden Händen gesehnt, die Ihm gegenüber etwas Mitleid ausdrücken. Nur unter Zwang reicht Ihm jemand die Hand – Simon von Cyrene. Was habe ich mit dem Kreuz dieses Verbrechers zu tun? – Wird er sich gefragt haben. Was kümmert mich das Leid dieses Menschen? Was geht mich das an? – Auch wir reagieren oft so, wenn uns leidende Menschen begegnen. Doch abermals lehrt uns Christus auf Seinem Kreuzweg eine andere Haltung, eine Haltung der Liebe. Simon trägt das Kreuz des Herrn ein Stück des Weges, und er wird mit der ganzen Fülle der Liebe Gottes belohnt. Er hat das  unüberwindbare Kreuz angenommen, ist seinem Mitmenschen, wenn auch durch Überwindung und Zwang, in seiner Not beigestanden. Auch er wollte weitergehen, doch Christus und Seine Liebe drängt ihn von nun an, seit dieser unerwarteten Begegnung mit dem Kreuz, am Leid der Mitmenschen nicht mehr achtlos vorbeizugehen. Christus selbst begegnet uns in jedem leidenden Mitmenschen – „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt…“

Ebenso gilt es auch unser persönliches Leid aus der Hand Gottes anzunehmen, gleichwie schwer es auch sein mag. So lehrt uns auch der heilige Paul vom Kreuz: „Diejenigen, die Bedrängnisse, Krankheiten, Verfolgungen, Schmähungen aus Liebe zu Gott erleiden, helfen Jesus Christus das Kreuz tragen, und wenn sie ausharren, wird ihnen Seine Herrlichkeit im Himmel zuteil werden.“ Nur in Verbindung mit Liebe können wir unser eigenes Kreuz tragen, nur in Verbindung mit Liebe können wir das Kreuz anderer Menschen mittragen helfen.

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